2008

Solartaxi weist den Weg

Das Solartaxi ist zurück in der Schweiz. 53'451 Kilometer legte Luois Palmer bei seiner Reise um die Welt – und bewies eindrücklich, dass Solartechnologie auch für den Verkehr einsatzbereit ist. Palmers Aufruf bei der Ankunft in Luzern: «Wir haben keine andere Chance, die Klimaveränderung ist so ein wichtiges Thema, sie passiert so schnell und wir müssen nach Lösungen suchen. Dieses Auto zeigt, dass wir Emissionen um 100% verringern können.»

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Die Energiewende ist nun auch politisch eingeläutet

76.4% der abstimmenden Zürcherinnen und Zürcher haben «Ja» gesagt zu einer nachhaltigen Entwicklung und zur 2000-Watt-Gesellschaft als verbindliches Ziel. Wir freuen uns, dass die Energiewende nun definitiv auch politisch eingeläutet ist. Aus unternehmerischer Sicht ist der Tatbeweis, dass die in der Gemeindeordnung neu definierten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen sind, längst erfolgt (siehe Blog-Eintrag vom 12.11.).

Der Stadtrat hat wichtige Schritte bereits vorbereitet. Nebst Investitionen in Anlagen zur Produktion von Strom aus erneuerbaren Quellen ist erfreulicherweise auch die Schaffung eines Beraterteams geplant, welches KMU in Fragen der Energieeffizienz unterstützt. Zürich wird nun also zur Schrittmacherin für die schweizerische Energiepolitik. Ganz sicher aber wird Zürich nicht zum Sonderfall, wie economie-Suisse-Vertreter Urs Näf gestern in einer Stellungnahme suggerierte. Die Zürcherinnen und Zürcher haben lediglich vorweggenommen, was neu auch schweizweit als Norm gelten wird: Eine sichere Energieversorgung erreichen wir mittels erhöhter Energieeffizienz und einem stetig steigenden Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen. Die überaus risikobehaftete Atomenergie hingegen gehört der Vergangenheit an.

Nullenergiebürohäuser, Windkraftanlagen, Mobilitätsmanagement - wie UnternehmerInnen Nachhaltigkeitsziele erreichen

Auf Einladung der Grünen UnternehmerInnen zeigten heute drei FirmenvertreterInnen beispielhaft, was Zürcher Firmen bereits heute zur Erreichung ambitiöser Nachhaltigkeitsziele beitragen.

Beat Kämpfen, mehrfach mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichneter Architekt, zeigte anhand des neuen Hauptsitzes der Marché-Kette, dass ein Bürogebäude heute problemlos als Nullenergiehaus gebaut werden kann. Auch bei Sanierungen kann der Energieverbrauch auf einen Bruchteil bisheriger Werte reduziert werden, wie Kämpfen am Beispiel ein Doppelhaus aus dem Jahr 1946 zeigte.

Der mit dem diesjährigen Innovationspreis ausgezeichnete Alexander Stoev betonte, dass alleine seine Firma pro Jahr Windanlagen errichtet, welch die Leistung eines halben AKW aufwiesen. Der Gründer der IDS AG, die sowohl eigens entwickelte Windkraft- wie auch für Fotovoltaikanlagen anbietet, bedauerte, dass die der ehemalige Solarpionier Schweiz bei den erneuerbaren Energien ins Hintertreffen geraten sei. Im Vergleich zum europäischen Umfeld würde aufgrund der ungünstigen politischen Rahmenbedingungen nur ein Bruchteil an Anlagen errichtet.

Die Nachhaligkeitsberaterin Myrta Burch zeigte, dass auch im Transportwesen markante Einsparungen bereits mit einfachen Mitteln zu erreichen sind. Spesenmodelle, welche das wenig Fahren belohnen, GPS-unterstützte Routenwahl, die Umstellung von Fahrzeugflotten auf sparsame Modelle und das Anbieten von öV-Zonenabonnements für Mitarbeiter würden zu Einsparungen führen, die wirtschaftlich und ökologisch zugleich seien.

Der Gewerbeverband, sträubt sich mit seiner rückwärts gerichteten Nein-Parole nicht nur gegen dringend nötigen Umwelt- und Klimaschutz. Er zeigt offenbar auch keinerlei Interesse daran, dass der Wirtschaftsraum Zürich innovativen Unternehmen Platz bietet.

Die Medienmitteilung zur heutigen Pressekonferenz ist hier verlinkt.

Nachhaltigkeit unter den Megatrends für Unternehmensführer

Im Auftrag der FAZ analysierten die ÖkonomInnen Steve Tappin, Andrew Cave und Christine Stimpel die aktuellen «Megatrends, auf die globale Wirtschaftsführer Antworten finden müssen». Fünf Stück machten sie aus, darunter auf Platz zwei: «Nachhaltigkeit als Geschäftschance»:

Es gilt, den Gegensatz zwischen Unternehmens- und gesellschaftlichen Interessen zu versöhnen. In England nennt man dies, einen Corporate Environmentalism aufzubauen. Der CEO gehört bei dieser Bewegung an die vorderste Front, er muss «Nachhaltigkeit» vorleben und den Prozess selbst nachhaltig begleiten.

Industrie und Gewerbe sagen «Ja» zur Nachhaltigkeitsvorlage

«Energieeffizienz und Innovationen bilden die Formeln für die Märkte von morgen»

Mit diesen Worten forderte Robert E. Gubler, Präsident des Gewerbeverbandes des Kantons Zürich in der Augustausgabe der verbandseigenen Zeitung (PDF, S. 3) die KMU auf, die Herausforderungen der Energieversorgung als Chance zu nutzen und sich in diesen Märkten zu positionieren.

Seltsam nur, dass der Gewerbeverband trotz dieser Einsicht gegen die breit abgestützte Nachhaltigkeitsvorlage der Stadt Zürich antritt. Denn es gibt sie längst, die Gewerbe- und Industriebetriebe, welche aufzeigen, dass nur mit erneuerbaren Energien und Energieeffizienz die Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann.

Immer mehr von ihnen engagieren sich auf Initiative der Grünen UnternehmerInnen aktiv für ein «Ja» zur Nachhaltigkeitsvorlage. Folgende Personen machen aktuell an der Inseratekampagne «Ja zur Nachhaltigkeit mit».

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Christian
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Karl
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Dietrich
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Jürg
Hartmann
Energiebüro AGArchitekturbüroGlassx AGElosolar AG


Weitere Industrie- und GewerbevertreterInnen sind selbstredend hoch willkommen. Einfach hier anmelden.

«Die Photovoltaik-Welle wird auch die Schweiz überrollen»

Robert Kröni, Geschäftsführer der im Zürcher Technopark angesiedelten edisun AG, ist überzeugt, dass seine Branche einen ganz wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung leisten wird. In einem Interview mit der NZZ sagt er:

«Die Photovoltaik-Welle wird auch die Schweiz überrollen. In der Schweiz wird man künftig die Möglichkeit haben, eine Anlage aufs Hausdach zu bauen und zum gleichen Preis Strom zu produzieren, wie man ihn sonst von einem AKW kaufen müsste.»

In den kommenden fünfzehn Jahren würden auch in der Schweiz so viele Solaranlagen gebaut, dass mehrere Kraftwerke ersetzt werden könnten. Investitionen in neue AKW seien, so Kröni, deshalb unnötig und hochriskant.

Umweltschutz als treibende Kraft in der IT

Die Financial Times berichtet von der deutschen Informatik-Fachmesse «Systems», die noch bis heute ihre Tore geöffnet hat:

Die Öko-Welle erfasst, wenn auch langsam, die IT-Welt. Unter dem Stichwort "Green IT" werden umweltbewusste Lösungen und Ansätze präsentiert. Dazu zählen etwa das energieeffiziente Rechenzentrum, Potenziale der Virtualisierung, die Vermeidung von Elektroschrott oder ressourcenschonendes Druckmanagement.

An einem «komplett klimaneutralen Messestand» wird eine Musterfirma präsentiert, die aufzeigt, wie ein Unternehmen ihren Informatik- und Telekommunikationsbereich möglichst umweltfreundlich einrichten und bewirtschaften kann.

Bundesrätliches Aus für besonders stromfressende Geräte

Geräte, die unnötig viel Strom fressen, sollen bis Ende 2011 aus den Schweizer Läden verschwinden, dies kündigte das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) heute an (NZZ). Bei einer angenommenen Gebrauchsdauer von zehn Jahren lassen sich so 300 Millionen Kilowattstunden einsparen.

Zusätzlich sollen Vorschriften für Geräte mit Standby-Modus jährlich 60 Millionen Kilowattstunden an Einsparungen bringen. Weitere Sparvorschriften sind für Kompressoren- und Pumpenmotoren geplant. (Eine Massnahmenübersicht pro Gerätetyp ist
hier zu finden.)

Eine weitere Massnahme schlagen Konsumenten- und Umweltschutzorganisationen vor (
NZZ): Ein neues Tarifsystem, welches sparsame Stromkonsumenten belohnt. Erreicht werden soll dies mit dem Verzicht auf Grundgebühren und einem progressiven Bezugstarif.

Berliner Unternehmer schmieden «Bündnis für Klimaschutz»

Um 40% will der Berliner Senat den CO2-Ausstoss in der Stadt senken - und zwar bis zum Jahr 2020. Klar, dass auch die Wirtschaft mitziehen muss. Ein Dutzend Grossbetriebe, darunter die staatlichen Wasserbetriebe, die Verkehrsbetriebe und die Stadtreinigungsbetriebe, aber auch Privatunternehmer wie der Energiekonzern Vattenfall, Siemens, Bayer und der Verband der Berliner Wohnungsbauunternehmen ziehen als «Bündnis für Klimaschutz» mit. Entstanden ist das Bündnis auf Initiative der Berliner Grünen.

Unverständliches «Nein» des Kantonalen Gewerbeverbandes

Economiesuisse und der Kantonale Gewerbeverband (KGV) mischen sich - mit auswärtigen Vertretern - in den Abstimmungskampf zum Nachhaltigkeits-Artikel für die Zürcher Gemeindeordnung ein (NZZ). Beide Verbände bekämpfen die Vorlage.

Die rund 200 Zürcher Firmen, die als Minergie-Fachpartner und -Mitglieder im Verbund mit den Produzenten von Energie aus erneuerbaren Quellen Tag für Tag den Tatbeweis erbringen, dass die Energiewende möglich ist, werden also vom Gewerbeverband ausgebremst.

Ganz anders die KMU-Gruppe des Gemeinderates: Nur zwei der 15 Mitglieder stimmten Nein zu der politisch breit abgestützten Vorlage. Es ist also durchaus möglich, dass der stadtzürcher Gewerbeverband eine andere Parole als der kantonale Dachverband beschliesst. Letzterem scheint der Bezug zur Basis zu fehlen. Der Berufsbildungsfonds, den der KGV ebenfalls bekämpfte, dürfte vor knapp zwei Wochen nur dank breiter Zustimmung bei der gewerblichen Basis so deutlich angenommen worden sein.

Ein klares «Ja» zum Gegenvorschlag zur «Umweltschutz konkret»-Initiative

In der Stadt Zürich haben der Gemeinderat und der Stadtrat einen Gegenvorschlag zur grünen Initiative «Umweltschutz konkret» ausgearbeitet. Kernpunkte des Gegenvorschlags sind

• das Ziel, bis 2050 den den CO2-Ausstoss pro Person von heute 6 auf 1
   Tonne und den Energieverbrauch von 6000 auf 2000 Watt zu senken.
• der Verzicht auf neue AKW-Beteiligungen.

20. November: Der Beginn der Energiewende

Diese Festlegungen in der Gemeindeordnung ermöglichen es der Stadt ihre Pionierrolle im Energiebereich weiter zu verstärken. NutzniesserInnen sind nicht nur die Umwelt sondern auch der Forschungs- und Industriestandort.

Die Grünen UnternehmerInnen engagieren sich für ein breit abgestütztes «Ja» zu diesem Gegenvorschlag, über den am 20.November abgestimmt wird und laden die Vertreter der Industrie zur Zusammenarbeit ein. Die Anbieter von erneuerbaren Energieformen erbringen heute schon den Tatbeweis, dass die Energiewende machbar ist.

Grüne UnternehmerInnen europaweit

Eben wurden wir Grünen UnternehmerInnen von einer Vertreterin des französischen Pendents Entreprendre vert kontaktiert, da sie an einem Ausbau des grünen UnternehmerInnennetzwerks interessiert sind.

Höchste Zeit also, hier einmal zu erwähnen, dass es auch in Österreich und Deutschland Zusammenschlüsse grüner Unternehmungen gibt.
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